Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Minden

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Inhalt: Weserschleuse Minden

 

Eine im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (heute: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) erstellte "Gesamtwirtschaftliche Untersuchung zum Ausbau der Mittelweser sowie zum Neubau eines Weser-Jade-Kanals" ergab das beste gesamtwirtschaftliche Resultat mit einem Nutzen-/Kostenverhältnis von 3,15 für einen Streckenausbau für Einzelfahrer bis 135 m Länge (ÜGMS - übergroßes Großmotorgüterschiff) bzw. für Schubverbände bis 139 m Länge mit einer Abladetiefe von jeweils 2,50 m.

Diese Entwicklung führte zur Entscheidung eine neue Schleusenanlage im Verbindungskanal Nord (VKN) zur Weser zu errichten. Hierdurch wird der Übergang vom Mittellandkanal (MLK) zur Weser für ein ÜGMS mit 135 m Länge und einen Schubverband mit 139 m Länge gewährleistet.

Der Neubau der Weserschleuse in Minden wurde notwendig, denn

Zusätzlich wäre bei Umbau der bestehenden Schachtschleuse eine Vollsperrung des VKN für mehrere Jahre erforderlich gewesen. Der Schiffsverkehr wäre auf dem Übergang von MLK zur Weser aufgrund der geringeren Nutzlängen in den Schleusen des Verbindungskanals Süd (VKS) stark eingeschränkt gewesen.

Im Frühjahr 2010 haben die Bauarbeiten begonnen. Die neue Schleuse wurde im Bereich von etwa VKN-km 0,350 bis 0,650 östlich der Schachtschleuse mit einem Achsversatz von 52 m errichtet. Dadurch blieb bauzeitlich die volle Funktions- und Leistungsfähigkeit der bestehenden Schachtschleuse erhalten. Der genaue Achsversatz wurde aus den fahrdynamischen Untersuchungen der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) abgeleitet. Die Einfahrtsbereiche wurden so ausgebildet, dass sie die Anforderungen an die Gestaltung der Schleusenvorhäfen an Binnenschifffahrtsstraßen erfüllen.

Durch den Neubau der Schleuse sind Flächen des Bauhofes Minden östlich des Baufeldes in Anspruch genommen worden. vorhandene Gebäude mussten dem Schleusenneubau und der Umlegung der Bauhofstraße weichen. Da die Bausubstanz ebenfalls aus den Anfängen des Wasserstraßenkreuzes Minden stammte, wurde ein kompletter Neubau des Bauhofes Minden geplant und weitestgehend umgesetzt.
Die dem Bauhof verlorengegangenen Landflächen wurden durch eine Teilverfüllung des Bauhafens wiedergewonnen. Die Wasserfläche des Bauhafens wurde durch Errichtung einer senkrechten rückverankerten Uferwand verkleinert und dadurch Lagerfläche im Bereich landseitig der Uferwand gewonnen.
Durch den Ausbau wurde an der Südseite des Hafenbeckens eine Be- und Entlademöglichkeit für Schiffe der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) mit einem Autokran geschaffen.

Für den Betrieb der Schleuse wurde von einer prognostizierten Zahl von 11.800 Schleusungen im Jahr, mit 6.850 Schleusungen in der Hauptschleusungsrichtung (zu Berg) ausgegangen. Die Wassermenge für die Schleusungen wird aus dem MLK entnommen. Zur Reduzierung der Pumpmengen von der Weser in den MLK wurden drei Sparbecken gebaut. Um eine Beeinträchtigung der Schachtschleuse durch die Baumaßnahme weitestgehend auszuschließen, sind die Sparbecken östlich der neuen Schleuse angeordnet. Das obere und untere Sparbecken liegen übereinander, das mittlere Sparbecken liegt seitlich daneben. Die Wasserbewirtschaftung des MLK kann dadurch die größeren Wasserverluste der neuen Schleuse auffangen und das Pumpwerk in Minden arbeitet innerhalb der zulässigen Grenzen.

Der Baugrubenverbau wurde derart ausgebildet, dass keine statisch nachteiligen Beeinflussungen am vorhandenen Bauwerk auftreten. Die zwischen der vorhandenen und der neuen Schleuse entstehenden Mittelmolen wurden mit Auffüllungen neu gestaltet und zum oberen und unteren Vorhafen hin mit Spundwänden eingefasst. Die Spundwände wurden gleichzeitig als Einfahrt- bzw. Ausfahrtsbereiche zu den beiden Schleusen ausgebildet.

Die wichtigsten Daten der Weserschleuse Minden auf einen Blick:

nutzbare Kammerlänge: 139,00 m
Kammerbreite: 12,50 m
Fallhöhe: ca. 13,30 m
Drempeltiefe: 4,00 m
Obertor: Zugsegment
Untertor: Stemmtor als Faltwerk
Anordnung der Sparbecken über- und nebeneinander
Anbindung an die Kammer jedes Sparbecken über Kanäle
Wasserbedarf für eine Schleusenfüllung: 26.500 m³
Anzahl der Sparbecken: 3
Fassungsvermögen der Sparbecken: ca. 15.500 m³
Wasserverlust bei der Schleusung somit: ca. 11.000 m³
Anzahl der Schleusungen 2017: 2.254
Anzahl der geschleusten Fahrzeuge 2017: 1.767
a) Güterschiffe 1.214
b) Fahrgastschiffe 430
c) Sportboote 263
geschleuste Gütermenge 2017: 711.717 t


Am Oberhaupt befinden sich das Einlaufbauwerk mit den Längskanälen und den Verschlüssen, das Obertor mit Antrieben und eine Eisfreihaltungsanlage. Zugänge für Antriebe und Verschlüsse sind vorhanden. Für Revisionsarbeiten der Schleusenkammer ist die Trockenlegung mit einem Dammbalkenverschluss über zwei Felder und zentrisch angeordnetem Stützbock möglich. Zusätzlich lässt sich das Obertor mit gesonderten Dammbalken schnell und unabhängig trocken legen.

Das Unterhaupt einschließlich Auslaufbauwerk enthält die Längskanäle zur Entleerung der Kammer mit den Verschlussorganen sowie das Untertor mit dem Torantrieb. Zur Ausrüstung gehören weiterhin ein Stoßschutz (Seilfanganlage), die Eisfreihaltungsanlage sowie die Revisionsverschlüsse für die Längskanalverschlüsse. Bestandteil des Unterhauptes sind weiterhin ein Tosbecken und die Zugänge zu den Verschlüssen und den Antrieben.

Das Grundlaufsystem zur Befüllung und Entleerung der Schleusenkammer besteht aus einer Druckkammer in der Sohle des Schleusenbauwerks, die über Kanäle mit dem oberen und dem unteren Vorhafen sowie mit den Sparbecken verbunden ist. Die Verbindung zwischen Schleusenkammer und Druckkammer erfolgt über systematisch angeordnete Fülldüsen in der Kammersohle.

 

Für Revisionsarbeiten des Auslaufbauwerkes und der Schleusenkammer ist die Trockenlegung mit einem Dammbalkenverschluss möglich
Für Revisionsarbeiten und Bauwerksinspektionen können die gesamte Schleuse bzw. Teilbereiche des hydraulischen Systems trockengelegt werden. Hierzu sind folgende Verschlussmöglichkeiten vorgesehen:

Die Schleusenanlage ist nach betrieblichen Notwendigkeiten beleuchtet und mit Signalanlagen für die Schifffahrt ausgestattet.
Im Normalbetrieb wird die Schleuse ferngesteuert. Dafür ist eine Datenübertragungsanlage mit Kameraüberwachung installiert.

Am 18. August 2017 erfolgte die Verkehrsfreigabe für die Weserschleuse Minden.