Inhalt: Eisbekämpfung
Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung soll nach § 35 Bundeswasserstraßengesetz (WaStrG) einen Wasserstands- und Hochwassermeldedienst im Benehmen mit den Ländern unterhalten und unbeschadet anderer Verpflichtungen für die Eisbekämpfung auf den Bundeswasserstraßen sorgen, soweit sie wirtschaftlich vertretbar ist.
Eis auf dem Mittellandkanal in Minden.
Auf den natürlichen Wasserstraßen ist bei Eis vorrangig der schadlose Wasserabfluss zu gewährleisten, auf den künstlichen Wasserstraßen ist die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Schiffbarkeit Hauptziel des Eisaufbruchs. Die Eisbekämpfung dient also der Sicherung der Vorflut, dem Schutz baulicher Anlagen, dem Offenhalten der Schutz- und Sicherheitshäfen und der Aufrechterhaltung der durchgehenden Schifffahrt - soweit dafür die Eisbekämpfung wirtschaftlich zu vertreten ist - bzw. der Verkürzung von eisbedingten Stillliegezeiten.
Der Schleusenbetrieb wird so lange wie möglich aufrecht erhalten - Schachtschleuse Minden-.
Wenn nichts mehr geht - "Eispause" in Minden.
Grundlage für Eisbekämpfungsmaßnahmen ist die Kenntnis der Eisverhältnisse. Hierzu ist ein Eismeldedienst eingerichtet, der Eisbeobachtungen und Eismeldungen von allen Wasserstraßen im Bereich der Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) Mitte umfasst. Die Eisbeobachtungen erfolgen in den einzelnen Außenbezirken und erstrecken sich auf:
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Wasserstände, Luft- und Wassertemperaturen,
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die Bildung von Randeis, Scholleneis bzw. Treibeis, die örtliche Ausdehnung und Stärke einer festen Eisdecke bzw. Eisstau, Eisversetzung, Ort und Zeit des Eisaufbruchs und Ende der Eisverhältnisse,
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die Feststellung von Eisschäden an Ufern, Kanalanlagen und Bauwerken, Eisgefährdung für die Kanaldämme und Gefahr von Deichbruch,
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die Auswirkungen des Eises auf den Schifffahrtsbetrieb und
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den Einsatz von Eisbrechern, Eisaufbrucharbeiten, Lösung und Beseitigung von Eisversetzungen sowie Freieisen von Betriebsanlagen und Schiffen.
Die Eismeldungen der Außenbezirke werden über die Wasser- und Schifffahrtsämter an die WSD Mitte weiter geleitet, die die eingehenden Meldungen weiter auswertet und den Eisbrechereinsatz koordiniert.
Die Schifffahrt wird über ELWIS und den Nautischen Informationsfunk (NIF) laufend über die Eisverhältnisse auf den einzelnen Wasserstraßen informiert.
Folgende Maßnahmen sind für eine Eisbekämpfung geeignet:
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Einleitung von erwärmtem Wasser aus Kühlsystemen und Vorflutern. Der Erfolg ist auf einen engen Bereich beschränkt. Kühlwassereinleitungen können das Abschmelzen von Scholleneis bewirken.
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Gezielte Wasserspiegeländerungen:
Das Anspannen und Absenken des Wasserspiegels behindert das Zusammenwachsen des Scholleneises zu einer geschlossenen Eisdecke und kann diese bei einsetzendem Tauwetter zerbrechen. Vor Wasserspiegeländerungen müssen Anlagen und Fahrzeuge freigeeist werden.
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Eisbekämpfung durch Betriebseinrichtungen:
Die Betriebsfähigkeit der Verschlüsse von Wehren und Schleusen kann durch Luftsprudelanlagen und Beheizung gewährleistet werden.
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Eisaxt, Eissäge und Einsatz von Greifern und Kompressoren sind geeignet, um örtlich ein Einfrieren von Anlagen und Fahrzeugen zu verhindern. Sie wirken durch Heraustrennen von Eisschollen, Abtauen des Eises oder Verhinderung der Eisdeckenbildung durch Bewegung des Wassers und Zertrümmerung von Schollen.
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Einsatz von Eisbrechern:
Den Schwerpunkt der Eisbekämpfung bildet der Einsatz von Eisbrechern. Mit Eisbrechern kann das Zusammenfrieren des Scholleneises behindert und verzögert werden. Die Eisbrecherwirkung kann durch Schiffsverkehr verstärkt werden. Bei Treibeis können durch Eisbrecher Eisstau und Eisversetzung bekämpft werden. Nach Ende einer Frostperiode werden Eisbrecher zum Aufbrechen der geschlossenen Eisdecke eingesetzt. Der Einsatz auf der Weser soll stets paarweise in gestaffelter Formation von unterstrom erfolgen, um notfalls eine gegenseitige Hilfeleistung zu gewährleisten und die gefahrlose Abführung der gebrochenen Eisschollen zu erreichen
Eisbrecher auf dem Mittellandkanal (Wasserstraßenkreuz Minden), hier die "Wilgum" und die "Flut".
Eisbrecher des WSA Minden "SL 2056".
Im Bereich der WSD Mitte sind ein Eisbrecher und ein Schlepper, der zum Eisaufbruch geeignet ist, vorhanden. Bei weiterem Bedarf werden Eisbrecher und Schlepper von den Nachbar-Direktionen oder von Unternehmen hinzugezogen. Der Einsatz der Eisbrecher wird von der WSD Mitte mit den WSD'en West, Nordwest und Ost abgestimmt, wobei die Verstärkung der Eisbrecherflotte von großer Bedeutung ist. In jedem Jahr wird vor Beginn des Winters eine Liste der zum Eisaufbruch geeigneten Fahrzeuge (mit Angabe ihrer technischen Daten) und deren Einsatzgebiet herausgegeben. Darin wird allgemein vorgesehen, die Eisbrecher etwa wie folgt einzusetzen:
Für den Eisaufbruch auf dem Elbe-Seitenkanal, dem Mittellandkanal zwischen den Schleusen Anderten und Sülfeld und dem Stichkanal nach Salzgitter werden bis zu drei Eisbrecher vom WSA Lauenburg (WSD Ost) bereit gestellt. Ein Einfrieren der Eisbrecher auf dem Kanal muss verhindert werden, da auf die Eisbrecherkapazität für die Elbe bei schwerem Eis nicht verzichtet werden kann.
Für den Eisaufbruch auf dem Mittellandkanal mit seinen Stichkanälen sind die beiden Eisbrecher der WSD Mitte sowie ein oder zwei anzumietende Eisbrecher vorgesehen.
Für den Eisaufbruch auf der Mittelweser oberhalb der Schleuse Hemelingen kann bei Bedarf ein Eisbrecher vom WSA Bremerhaven herangezogen werden, der jedoch aufgrund seiner großen Höhe bei entsprechenden Wasserständen nur bis etwa zur Allermündung eingesetzt werden kann. Bei weiterem Bedarf werden auch die angemieteten Eisbrecher dort eingesetzt.
Der Eisbrecher "Flut" des WSA Verden hat dem Binnenschiff einen Liegeplatz in Minden "hergerichtet"
Wenn das Eis keine Einzelfahrt für Binnenschiffe mehr zulässt, wird in Absprache ein Schiffsverband organisiert. Diesem voran bahnt ein Eisbrecher den Weg, hier der "SL 2056".